Primark-Tüten


Wenn man an einem Samstag Nachmittag über die Frankfurter Zeil läuft, kommen sie einem dutzendweise entgegen: Primark-Tüten samt ihrer Träger. Manchmal nur allein, manchmal im Zweier-, Dreier-, Viererpack.

Primark, ein irischer Textildiscounter, hat seit 2012 in Deutschland Filialen und ist – zugegeben – nicht das einzige schwarze Schaf in der Textilbranche.
Anders gesagt: Im Großen und Ganzen gibt es wohl eher eine Herde schwarzer Schafe mit einigen wenigen weißen darunter als umgekehrt.

Trotzdem bekomme ich immer wieder einen Würgereitz, wenn ich jemand mit diesen Tüten an mir vorbeilaufen sehe. Das in Deutschland Geiz geil ist, weiß man ja schon länger und auch ich tappe manchmal die Schnäppchen-Falle – egal ob nun bei Textilien, Lebensmitteln oder Unterhaltungselektronik – ohne im Augenblick des Kaufs darüber nachzudenken. Aber fällt sooo vielen Leuten nicht auf, dass bei 2-Euro-T-Shirts, 10-Euro-Hosen oder 15-Euro-Kleidern irgendwas nicht stimmen kann?

Die Fabrikation in Bangladesh, Pakistan und Indien läuft weiter, auch wenn die 1.127 Toten des Textil-Fabrik-Einsturzes in Sabhar/Bangladesh 2013 die Deutschen kurzfristig geschockt haben mögen.

Die von diversen Textilketten – auch Primark – gemachten Versprechen, den betroffenen Familen und den verletzten Arbeiterinnen Entschädigungen zu bezahlen, sind weitestgehend im Sande verlaufen. Wenn etwas was bezahlt wurde, dann in lächerlichem Umfang und unter der Prämisse von freiwilliger Unterstützung.

Wirkliche Schuldeingeständnisse gab es nicht, obwohl all diese Firmen mit den dort fabrizierten Kleidungsstücken Milliarden-Gewinne gemacht und es dafür hingenommen haben und weiterhin hinnehmen, dass hauptsächlich Frauen für einen (im wahrsten Sinne) Hungerlohn dort schuften.

Wie ich geschrieben habe – es gibt unter den vielen schwarzen Schafen nur sehr wenige weiße und für Otto Normalverbraucher ist es machmal kaum möglich, zu “sauberen” und entsprechend höherpreisigeren Textilen zu greifen.
Aber muss man andererseits 50 Billig-Shirts im Schrank liegen haben, die nach dreimaligem Waschen so aussehen, als hätten sie schon die Wiedervereinigung mitgemacht?

Ein Trend zu weniger Konsum könnte da vielleicht schon eine Veränderung bringen.
Wie schwer das ist, weiß ich aus eigener Erfahrung. Auch ich habe meine Probleme mit dem Verzicht.

In den meisten Fällen ist es aber nur das Kribbeln des Kaufes (und des Schnäppchen-machens), das einen dazu verleitet, das nächste T-Shirt, die nächste DVD, das nächste Smartphone zu erstehen.

Und wenns denn schon sein muss: Diverse Plattformen bieten inzwischen so gut wie alles gebraucht an. Den meisten Leuten fällt nämlich irgendwann mal auf, dass sie von allem zu viel haben. Dann kriegt man vielleicht sogar die ein oder anderen (fast neuwertigen) Marken-Teile zum Primark-Preis.

Deshalb mein Tipp: Wenn Ihr aus finanziellen Gründen Läden wie Primark, Kik & Co. schon nicht komplett meiden könnt, versucht einfach euren Konsum dort zu reduzieren.

Das macht ein gutes Gefühl, schont die Brieftasche und vielleicht bemerken die zuständigen Manager ja irgendwann an rückläufigen Verkaufszahlen, dass es eben nicht nur ausschließlich Konsumvieh gibt, das ohne zu Fragen und Denken jeden Mist kauft.